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20. Februar 2012 1 20 /02 /Februar /2012 14:27

„Ich... keine Ahnung. Ich wollte einfach mit jemandem darüber reden. Ich muss mit jemandem darüber reden.“
Ich schüttelte den Kopf. Mühsam kämpfte ich gegen die Verärgerung an, die sich langsam meiner Mimik bemächtigte.
„Nein, du hast die Frage nicht verstanden. Was erwartest du vonmir?“, hakte ich erneut nach, obwohl ich die Antwort kannte. Ich wollte sie aus deinem Mund hören. Du brauchtest mich. Jetzt mehr als jemals zuvor. Doch du hattest die Chance schon lange verspielt, mich zurückzubekommen, nachdem du alles, was wir hatten, was uns ausmachte, mit Füßen getreten hattest.
„Weißt du noch“, setztest du zu einer Antwort an, „wie wir damals hier zusammen saßen und gefrühstückt haben? Wie schön das Wetter an diesem Tag war? Bestimmt hast du dich gewundert, warum ich heute vor dir hier war, oder? Nun, dafür gibt es eine Erklärung.“Bedeutungsschwangere Sekunden verstrichen zwischen deinen Worten.
„Ich war vor dir hier, weil ich immer hier bin. Ich bin immer hier und an jedem anderen Ort, an dem wir zusammen waren. Ich bin an diesen Orten und suche nach dir, zu jeder Tages- und Nachtzeit, ich schaue in jeder Ecke nach, frage das Personal, ob ich in der Abstellkammer oder im Getränkelager nach dir suchen darf und meistens lachen sie mich nur aus. Ich durchforste die Speisekarten und bilde aus den Buchstaben deinen Namen, ich bestelle, was wir zusammen bestellt haben, und esse und trinke, was wir aßen und tranken, bis mir schlecht wird. Dann übergebe ich mich und verlasse den Ort, um an anderer Stelle weiterzusuchen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass du kurz vorher dort gewesen bist, dann habe ich das Gefühl, dass der Geruch deiner Haare in der Luft liegt und ich suche umso intensiver, in der Hoffnung, einen Teil von dir wiederzufinden, ein Stück, das ich mit nach Hause nehmen kann. Manchmal sehe ich dein Gesicht in anderen Gesichtern, dann nehme ich diese Gesichter mit nach Hause und verliere mich in ihnen. Doch am nächsten Morgen wache ich auf, und dein Gesicht ist weg, dafür sind andere Gesichter da, Fratzen, die mich anwidern. Und so suche ich weiter.“ Du senktest den Kopf und deine Worte lagen wie Steine in meinem Bauch. Kalte Abscheu überfiel mich.
„Du musst nicht mehr weitersuchen.“, sagte ich. „ Es gibt nichts zu finden. Das, wonach du suchst, ist schon lange unwiederbringlich verschwunden.“
„Aber vielleicht ist es wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen? Vielleicht muss ich nur lange genug suchen, um sie zu finden?“, erwidertest du mit aufrichtig fragendem Blick.
„Es gibt keine Nadel im Heuhaufen. Nicht mehr.“, antwortete ich. Eine unbeschreibliche Übelkeit breitete sich in mir aus, ich verspürte ein schmerzhaftes Jucken auf meiner Haut, als litte ich unter einer heftigen Allergie.
Als die Kellnerin kam und die Getränke auf dem Tisch abstellte, erhob ich mich und zog meine Jacke an. Alles an mir zitterte. 

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